Digital Marketing Managerin
Julia Coen ist Digital Marketing Managerin bei eMinded und kümmert sich vor allem um SEO- & Content-Themen. Privat liebt sie Ausflüge in die Berge, leckeres Essen, gute Bücher & Sport.
Findet eine KI keine verlässlichen Quellen oder keine eindeutigen Informationen zu einem Unternehmen, fehlen in ihren Antworten Fakten, oder sie sind schlicht falsch. Wir zeigen, wie eine Grounding Page beeinflussen kann, was KI-Systeme über ein Unternehmen erzählen, was sie von einer klassischen Unternehmensseite unterscheidet, und wie sich entscheiden lässt, ob sich der Aufwand lohnt.
von Julia Coen | 23.09.2026 | GEO

Inhalt
51 Prozent der B2B-Softwarekäufer starten ihre Recherche mittlerweile in einem KI-Chatbot statt in der klassischen Google-Suche, zeigt der aktuelle G2-Report zur KI-Suche im Softwareeinkauf. Diese Zahl bezieht sich zwar auf ein einzelnes Marktsegment und ist demnach keine allgemeingültige Regel, die Richtung dürfte für die meisten B2B-Unternehmen trotzdem stimmen. Statt zehn blauen Links liefern ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews direkt eine fertige Antwort, oft ohne dass jemand die Website dahinter noch besucht.
Damit rückt für Unternehmen eine Frage in den Vordergrund, die klassisches SEO bisher nicht gestellt hat: Versteht KI, welche Dienstleistungen, Produkte etc. ein Unternehmen anbietet? Werden die eigenen Informationen von diesen Systemen überhaupt fehlerfrei und vollständig wiedergegeben? Eine Grounding Page liefert KI-Systemen genau die Fakten, die sie für eine korrekte und vollständige Antwort brauchen.
Eine Grounding Page bündelt die zentralen Fakten zu einem Unternehmen, einer Marke oder einem Produkt auf einer Seite. Ohne Marketingsprache, dafür klar, mit Quellenangaben und belegten Zahlen statt bloßen Eigenaussagen. Begriff und Konzept stammen vom sogenannten Grounding Page Project, das einen offenen Standard für solche Seiten entwickelt.
Gelesen und geprüft wird eine Grounding Page vor allem von KI-Systemen, die daraus Antworten zusammensetzen, sie kann aber auch von Menschen gelesen werden. Der Unterschied zwischen einer Grounding Page und einer klassischen Landingpage liegt deshalb vor allem im jeweiligen Zweck. Eine Landingpage will überzeugen und verkaufen, mit emotionaler Sprache und langen Einleitungen wie „Wer wir sind“ oder „Unsere Mission“, bevor es überhaupt um Fakten geht. Eine Grounding Page verzichtet auf werbliche Inhalte und beschreibt eine Entität direkt – mit einer faktischen Definition, den wichtigsten Unternehmensdaten, Quellen und gegebenenfalls auch mit einer klaren Abgrenzung zu anderen Anbietern oder Begriffen.
| Merkmal | Landingpage | Grounding Page |
| Zweck | Überzeugen, verkaufen | Fakten liefern, einordnen |
| Sprache | Emotional, werblich | Sachlich, neutral |
| Zielgruppe | In erster Linie Menschen | In erster Linie KI-Systeme |
| Typischer Einstieg | „Wer wir sind“, „Unsere Mission“ | Faktische Definition |
Ein Beispiel: Eine Landingpage schreibt vielleicht: „Wir sind der innovative Partner für Ihre digitale Zukunft.“ Eine Grounding Page schreibt stattdessen: „Die Beispiel GmbH wurde 2015 in München gegründet und berät Mittelstandsunternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktion.“ Der zweite Satz lässt sich prüfen, zitieren und maschinell verarbeiten. Der erste nicht.
Warum wirkt so eine Seite überhaupt? KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexity erfinden Antworten nicht frei. Sie rufen bei einer Anfrage passende Textbausteine aus dem Web ab und setzen daraus ihre Antwort zusammen – ein Vorgang, den man Grounding nennt. Fehlen klare, eindeutige Informationen zu einem Unternehmen, muss das Modell raten. Es greift dann auf ähnlich klingende Namen, bekannte Muster oder benachbarte Themen zurück. Ein KI-System, das keine verlässliche Quelle zum Gründungsjahr eines Unternehmens findet, nennt eventuell trotzdem eines – notfalls das eines Wettbewerbers mit ähnlichem Namen. Solche Verwechslungen und falschen Angaben nennt man Halluzinationen. Eine Grounding Page schließt diese Lücke: Sie gibt dem Modell etwas Konkretes, worauf es sich stützen kann, statt selbst etwas zu konstruieren.
Was eine Grounding Page nicht ist: ein Rankingfaktor. Sie bringt auch nicht automatisch mehr Sichtbarkeit und ersetzt keine Suchmaschinenoptimierung. Ihr Nutzen ist indirekt, denn sie verbessert, wie KI-Systeme ein Unternehmen einordnen und zitieren, nicht, wie eine Seite in den Google-Suchergebnissen rankt. Wer eine korrekte Darstellung in KI-Antworten will, schafft mit einer Grounding Page gute Voraussetzungen.
Ob die Grounding Page ihren Zweck erfüllt, lässt sich beobachten, indem man ChatGPT, Perplexity, Copilot etc. direkt nach dem eigenen Unternehmen fragt und prüft, ob die Antwort stimmt und ob die eigene Seite als Quelle genannt wird. Für das laufende Monitoring gibt es inzwischen spezialisierte Tools wie Peec AI, Otterly oder Rankscale, die Markenerwähnungen in KI-Antworten systematisch tracken – nützlich, sobald man diese nicht mehr stichprobenartig, sondern regelmäßig und im Verlauf prüfen will.
Ob sich der Aufwand lohnt, hängt vom Unternehmen ab. Sinnvoll ist eine Grounding Page vor allem dann, wenn eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet werden können:
Trifft nichts davon zu, etwa bei einer recht kompakten, gut strukturierten und eindeutig benannten Website mit wenigen, selbsterklärenden Leistungen, lohnt sich der Aufwand aktuell eher nicht.
Inhaltlich folgt der Aufbau anderen Regeln als eine klassische Landingpage. Im Zentrum steht Faktendichte statt Marketingsprache. Wichtig sind kurze, präzise Aussagen statt ausschweifender Formulierungen sowie eine Struktur, die KI-Systeme gut in einzelne Abschnitte zerlegen können, auch „Chunking“ genannt. Mit Hilfe von Tabellen können Kerndaten übersichtlich gebündelt werden, ein FAQ-Format beantwortet typische Fragen direkt, und eine saubere interne Verlinkung liefert zusätzlichen Kontext.
Daraus ergeben sich sieben Bausteine, die auf einer Grounding Page in der Regel nicht fehlen sollten:
Ein achter Punkt lohnt sich zusätzlich, ist aber kein Muss: eine Abgrenzung, die beschreibt, was das Unternehmen nicht ist oder nicht macht. Das reduziert abermals Verwechslungsgefahr mit anderen Anbietern, Unternehmen mit ähnlichem Namen oder Begriffen, bei denen Verwechslungsgefahr besteht. So hilft eine Grounding Page der KI bei der semantischen Zuordnung, was gerade bei generischen Firmennamen oder stark besetzten Branchenbegriffen ein wichtiger Hebel sein kann.
Konkret sieht der Ablauf der Grounding-Page-Erstellung meist so aus: Zuerst werden die relevanten Fakten – entlang der Prinzipien und Bausteine von oben – gesammelt, geordnet und wo nötig ausformuliert. Die veröffentlichte Grounding Page wird intern verlinkt, beispielsweise domainweit über den Footer der Seite. Der Linktext sollte dabei selbstverständlich möglichst präzise sein: Statt „Mehr erfahren“ eignet sich eher der Name des Unternehmens oder eine klare Bezeichnung wie „Fakten zu Beispiel GmbH“. Im Anschluss wird getestet: Taucht die Seite in ChatGPT oder Perplexity als Quelle auf, wenn man nach dem eigenen Unternehmen fragt? Bei neu erstellten Grounding Pages zeigen sich erste Effekte teils schon nach wenigen Tagen. Eine Garantie, dass die eigene Grounding Page tatsächlich als Quelle zitiert wird, ist das allerdings nicht.
Aber: Die beste Grounding Page nützt wenig, wenn die Fakten darauf nicht mehr stimmen. Veraltete Zahlen oder falsche Informationen zu Produkten und Leistungen untergraben genau das, was die Seite eigentlich leisten soll. Statt Halluzinationen zu verhindern, wird die Grounding Page zur Quelle falscher Informationen. Sinnvoll ist daher ein fester Reminder, zum Beispiel halbjährlich, um die Inhalte der Grounding Page auf Aktualität zu prüfen und gegebenenfalls zu updaten.
Die hier beschriebene Grounding Page ist bewusst in erster Linie für KI-Systeme geschrieben, auch wenn sie ebenso von Menschen gelesen werden kann. Es gibt daneben Seiten, die genauso strukturiert und faktendicht sind, bei denen menschliche Besucher aber von Anfang an gleichberechtigt mitgedacht werden. Ein typisches Beispiel dafür ist eine erweiterte Über-uns-Seite, die neben den reinen Fakten auch Raum für Themen wie Unternehmenskultur oder Informationen zum Team bietet.
Konkret heißt das oft: ein kurzer, persönlicher Einleitungssatz vor den Fakten, ein Teamfoto oder ähnliches – Elemente, die einer klassischen, primär KI-orientierten Grounding Page bewusst fehlen. Häufig ist es nämlich gar nicht nötig, eine komplett neue Seite zu bauen, denn eine bestehende Über-uns-Seite lässt sich manchmal direkt zu einer Grounding Page erweitern. Das spart Aufwand und verhindert, dass zwei sehr ähnliche Seiten nebeneinander existieren und sich im schlimmsten Fall gegenseitig als Duplicate Content kannibalisieren.
Eine Grounding Page ist weder Pflicht noch Rankingfaktor oder schneller Sichtbarkeitshebel. Für Unternehmen mit Verwechslungsgefahr, komplexer Struktur oder erklärungsbedürftigen Leistungen ist sie aber ein sinnvoller Baustein neben der klassischen SEO-Seite – eine Investition in Klarheit, die sich auszahlt, weil KI-Systeme für die eigene Zielgruppe in den meisten Fällen längst Teil der Recherche sind.
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